Lesung mit Günther Rehbein - einem Überlebenden des russischen Straflagers “Workuta” - (23.03.2009)

Was die über 120 Zuhörer am Montag im Naumburg-Haus zu hören bekamen, war meilenweit entfernt von der in den letzten Jahren immer populärer gewordenen Ostalgie à la „Sonnenallee“. Günther Rehbein aus Gera, Jahrgang 1933, berichtete auszugsweise aus seinem Leben. Selbst diejenigen, die noch nie etwas von Workuta – dem russischen Straflager - gehört hatten, bekamen eine Vorstellung von den Leiden, die tausendfach mit diesem Ort am Polarkreis verbunden sind.

In der von der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) organisierten Veranstaltung nutzte Rehbein einen Mix aus Vortrag, Film - der noch einmal die Orte seines Leidensweges zeigte -, Lesung aus seinem Buch „Gulag und Genossen“ und Diskussion, in der er sich den Fragen stellte.  So war zu erfahren, dass ein ausgesprochener Satz ausreichte, um für die Tatbestände „antisowjetische Hetze“, „Spionage“, „Diversion“ und „Terrorismus“ zu insgesamt 45(!) Jahren Arbeitslager verurteilt zu werden. Nur durch besondere politische Entwicklungen der 1950er Jahre wurde das Strafmaß reduziert.

Im Saal hätte man die sprichwörtliche Stecknadel fallen hören können, während Rehbein in ruhigen Worten einen kleinen Einblick in kommunistische Verhör- und Strafmethoden gab, unter denen er mehrfach seinem Leben ein Ende setzen wollte.

Dem anerkannten Opfer politischer Verfolgungen geht es dabei nicht um Rache. Vielmehr will er sich als Mahner gegen das Vergessen diktatorischen Unrechts und Unterdrückung verstanden wissen.

So regt er jeden durch die Schilderung seines Lebens- und Leidensweges zum Nachdenken an. Oftmals trifft er auf eine Zuhörerschaft, die zum ersten Mal einen Bericht über die damals üblichen Praktiken im stalinistischen System (u.a. Denunziantentum, Stasi-Werbeversuche, Überwachung und Berufsverbot) hören. Seiner Botschaft „vergeben ja, vergessen nein“, hörten auch Schüler der Sekundarschule Bad Bibra, dem Gymnasium Laucha und vom Domgymnasium Naumburg aufmerksam zu. Dieses dunkle Kapitel deutscher und europäischer Geschichte kommt oftmals im Unterricht zu kurz.  

Dr. Andreas Schulze von der KAS - der gemeinsam mit MdL Daniel Sturm die Veranstaltung moderierte - wies in diesem Zusammenhang auf die Rolle und Verdienste vom Namensgeber der Stiftung um die Freilassung der Gefangenen aus russischen Lagern hin, was auch Günther Rehbein die Rückkehr nach Hause ermöglichte. „Ohne Konrad Adenauer würde ich heute nicht mehr leben und könnte nicht vor ihnen stehen und darüber berichten“, gab der ehemalige Gulag-Häftling zu bedenken.

(text entnommen aus “super sonntag” vom 29.03.09 - autor: torsten philipp)

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Über 120 Zuhörer im Naumburghaus

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Günther Rehbein während der Diskussion

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Auch die Moderatoren MdL Daniel Sturm und Dr. Andreas Schulze spendeten Günther Rehbein Applaus - v.l.

foto : torsten philipp - www.phildesign.de   © 2009

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